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Einführung/Klappentext

Gefahr von Glaubensüberzeugungen

Niemand kann uns mehr über die Gefahren von
Glaubensüberzeugungen, eingeschränkter Wahrnehmung
und vermeintlich absoluten Wahrheiten
sagen als Jesus von Nazareth.
Mit dem Finger auf andere zu zeigen und jede
Schuld bei ihnen zu suchen ist der Anfang jedes
Konflikts,


und nur allzu oft endet harmloses Tratschen
über einen Mitmenschen in Steinewerfen
und „Kreuziget ihn!“.
„Den Balken aus dem eigenen Auge ziehen“ heißt:
bei uns selbst beginnen, die eigenen Vorurteile und
Überzeugungen zu hinterfragen.
Zwei Freunde begeben sich auf die Suche nach dem
wirklichen Jesus und seiner Botschaft. Es wird eine
wortwörtliche Entdeckungsreise, denn durch allerlei
Geröll und Gestrüpp, durch versteinerte Glaubenssätze
und theologischen Holzwegen hindurch
begegnen sie – jenseits von Mythos und Kult – einem
Mann aus Fleisch und Blut mit schier unendlicher
Menschenliebe und ansteckender Lebensfreude.
Einem Menschen voll wilder Freiheit und zärtlicher
Empathie, der sagt, dass es nicht auf ihn ankommt,
sondern auf uns. Unser Einlassen auf das,
was er „Reich Gottes“ genannt hat: Ein Sein in der
Liebe, den gegenwärtigen Augenblick aus der
Hand des liebenden Gottes zu empfangen.

Leseprobe

Phase 1:

Der Konflikt

In der Arbeitswelt führen oft Konflikte, die nicht sachlich gelöst werden zu Mobbingsituationen, indem sich das Problem auf die persönliche Ebene verlagert. Anstatt den Sachverhalt konstruktiv zu lösen, wenden sich Menschen gegen den Betreffenden und kommunizieren destruktiv.

Andere Ausgangssituationen – z.B. in der Schule – sind Langeweile, Machogehabe, oder die schiere Lust am Quälen eines Schwächeren. Oft werden Vertreter von Minderheiten Opfer von Mobbing (von engl. to mob „herfallen über“, „sich stürzen auf“, „anpöbeln“), weil sie anders leben, anders denken, anders glauben. Dadurch fühlen sich Menschen oft mit ihrem Weltbild und ihrer Wahrnehmung der Realität in Frage gestellt, und müssen zu ihrer eigenen Beruhigung den anderen bekämpfen indem sie ihn als krank, bös, verachtenswert ansehen und darstellen.
Nach allen vier Evangelien war Jesus schwerem Mobbing ausgesetzt. Der Mobbingverlauf ist hier bereits fortgeschritten. Jesus ist bereits Ziel von Angriffen auf seine Person und Würde. Die Gründe und Ursachen kann man anhand der aggressiven Attacken erahnen.
„Was hört ihr ihm zu?“ In Joh 10,20 wird Jesus von Leuten aus dem Volk als verrückt bezeichnet, von einem Dämon besessen.
Schon seine Familie hat sich seiner geschämt und wollte ihn am Predigen hindern:
„Und als es die Seinen hörten, machten sie sich auf und wollten ihn festhalten; denn sie sprachen: Er ist von Sinnen.“ (Mk 3,21)
Auch in seinem Heimatort Nazareth wird Jesus nicht ernst genommen, sondern abfällig diskreditiert, ja nach Luk 4,28f wurde sogar versucht, ihn zu töten: „Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen.“
In Mt 11,21 ärgert sich Jesus über seine Ablehnung in den Ortschaften Chorazin und Betsaida.
Schon das Volk, das zu Johannes an den Jordan gezogen ist, wird als eine mobbende Menge gesehen, die sich nur amüsieren wollte (Joh5,35), aber kein wirkliches Interesse an Spiritualität hat: „Denn Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! “ (Mt 11,18f).
Die Erfahrung mit mobbenden Menschen findet sich auch in Mt 7,6: „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.“
Im ältesten Evangelium, Markus, schreit schon zu Beginn (1,26) ein Mensch mit einem „unreinen Geist“: „Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, uns zu vernichten?“, und in 3,6 stellt das Evangelium fest: „Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten alsbald Rat über ihn mit den Anhängern des Herodes, dass sie ihn umbrächten.“
Dem folgen Aussagen über Jesu psychischer und geistiger Gesundheit: „Er ist von Sinnen“ (3,21); „er hat den Beelzebub“ (3,22); „er hat einen unreinen Geist“(3,39). Menschen, die Jesu Predigt hörten nahmen Ärgernis an ihm (Mk 6,3). Schließlich ist das Ziel klar: „Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm…“ (Mk 11,18).
Was war der Grund, dass Jesus Feinde hatte die ihm nach dem Leben trachteten?
Ganz offensichtlich ging es den Pharisäern und Schriftgelehrten, von denen es immer wieder in den Evangelien heißt, dass sie ihn töten wollten, nicht um etwas Bestimmtes, das ihren Missmut erregte, sondern um die Person Jesus von Nazareth. Die jeweils angegebenen Punkte, über die sie sich aufregen sind eindeutig nicht der eigentliche Grund, sondern nur die Aufhänger, um Jesus kritisieren zu können. In den Evangelien wird kein Konflikt beschrieben, der sachlich gelöst werden könnte, sondern Jesus selbst als Person mit seinem Leben und Tun ist das Problem. Es geht nicht um divergierende Glaubensfragen, sondern man geht gegen ihn als Person vor.
Es ist wohl seine ganze Art, sein unkonventionelles Leben und Denken, Seine Predigt vom nahen gegenwärtigen Gott. Sein Erfolg bei der einfachen Landbevölkerung Galiläas, seine Souveränität im Umgang mit dem Wort Gottes, nicht zuletzt seine wahre Lebendigkeit und die Glücksseligkeit, die er ausstrahlte, erregten Neid und Missmut bei „kirchlichen“ Funktionären. Sie hielten sich wohl durch
Jesu Predigt in Frage gestellt.
Jesus predigt Spiritualität, nicht Kult,
Liebe und Vergebung, nicht Sündenbewusstsein und Opfer,
Tun und Menschwerdung, nicht Weltabgewandtheit und Angst,
und vor allem:  Jesus verkündet den gegenwärtigen Gott, nicht eine Jenseitsgläubigkeit.
Jesus war anders als ein gewöhnlicher Rabbi. Jesus hat als Person mit seinem Auftreten als Ganzes Ärgernis erregt bei Pharisäern und Schriftgelehrten. Er verhielt sich anders, er predigte anders, und fiel radikal aus der Rolle. Jesus entsprach nicht den üblichen Erwartungen an einen Rabbi. Er war ehrlich und wahrhaftig, kein Mensch des äußeren, oberflächlichen Scheins. Ihm ging es um echtes und wirkliches „in der Liebe sein“.
Jede Heuchelei, scheinheilige Gebete und Nächstenliebe konnten vor ihm nicht bestehen.
Die Stimme des Herzens ist entscheidend für dieses Leben in Gottes Gegenwart.
Jesus war frei fließendes lebendiges Leben.
Das Glück in den Augen der Kinder, die echte Freude, das Lachen,
das alles waren für ihn Zeichen des Reiches Gottes.
Nicht liturgische Rituale und Opfer,
Einfachheit und Losgelöstsein und nicht Angst und Schuld.
Freiheit und Liebe, nicht Kontrolle und Unterdrückung.
So ein Mensch ist selbst heute noch ein Skandal als Pfarrer oder eben Rabbi.
Einer, der mit Sündern und Prostituierten Umgang hat,
der als Fresser und Weinsäufer verschrien ist,
ist schlichtweg ein Ärgernis.
Ein weiterer Grund war wohl, dass Jesus nicht verstanden wurde. Seine Rede von einem liebenden und gnädigen Gott in diesem Leben, in Armut und Not, Krankheit und Leid passte nicht zu den üblichen Vorstellungen eines jenseitigen Gottes, dem man opfern muss, um ihn freundlich zu stimmen.
Wenn man nicht verstanden wird, wird man leicht abgeurteilt und beiseitegeschoben.
Wahrscheinlich war Jesus mindestens abstoßend für viele Fromme, wenn nicht sogar ein Ekel in ihren Augen.
Einer, der sich nicht an die Regeln hält,
der sich öffentlich von einer Prostituierten zärtlich streicheln lässt,
der den Wind der Freiheit mit sich bringt
und sich keinen moralischen Zwängen beugt,
einer der   - so sehen sie es - Gott lästert und wohl
mit Satan im Bunde ist,
der so viel Erfolg hat bei einfachen Leuten
nicht zuletzt bei Frauen,
der absolut nicht in das gewohnte Bild von Gott und Glauben passt,
ach, er würde nur ihr Bild von Gott und der Welt zerstören,
einer der ein Systemsprenger ist für den gewohnten religiösen Betrieb,
der musste einfach weg!

Informationen zum Buch

Umfang: 198 Seiten // ISBN 978-3-200-08042-3
mit bearbeiteten Bildern von Duccio di Buoninsegna „Geißelung Jesu“
Grafisches Konzept und Gestaltung: Atelier Andrea Gassner
Druck: Buchdruckerei Lustenau
Lektorat: Dieter Petras